Fahrzeugtypen & Sonderfälle

Überführungskennzeichen: Unterschied zwischen Kurzzeit und Ausfuhr

Lisa Neumann 5. März 2026 7 Min. Lesezeit

Du hast ein Auto gekauft und musst es abholen? Dann brauchst du ein Überführungskennzeichen. Je nachdem, ob du das Fahrzeug innerhalb Deutschlands bewegst oder ins Ausland exportierst, kommen zwei verschiedene Kennzeichenarten in Frage — beide mit roter Schrift, aber mit unterschiedlichen Regeln und Kosten.

Die beiden Arten von Überführungskennzeichen

Für die einmalige Fahrt mit einem nicht zugelassenen Fahrzeug gibt es zwei spezielle Kennzeichen. Das Kurzzeitkennzeichen (umgangssprachlich auch "5-Tages-Kennzeichen") nutzt du für Fahrten innerhalb Deutschlands. Es gilt maximal fünf Tage und hat ein gelbes Feld am rechten Rand mit dem Ablaufdatum.

Das Ausfuhrkennzeichen brauchst du dagegen, wenn du ein Fahrzeug ins Ausland überführst. Es gilt je nach Bedarf zwischen 15 Tagen und einem Jahr. Erkennbar ist es am roten Feld rechts mit dem Ablaufdatum und einem zusätzlichen roten Streifen am rechten Rand.

Beide Kennzeichen haben rote Schrift auf weißem Grund — im Gegensatz zu normalen Kennzeichen mit schwarzer Schrift. Das signalisiert anderen Verkehrsteilnehmern und der Polizei sofort: Hier ist ein Fahrzeug nur vorübergehend unterwegs.

Kurzzeitkennzeichen: Für Probefahrten und Überführungen im Inland

Das Kurzzeitkennzeichen ist die schnelle Lösung für Fahrten innerhalb Deutschlands. Typische Anwendungsfälle: Du kaufst ein Auto in München und willst es nach Hamburg fahren. Oder du möchtest ein Fahrzeug zur Hauptuntersuchung bringen, das schon länger abgemeldet ist.

Die Beantragung läuft über die Zulassungsstelle deines Wohnorts. Seit 2015 gelten verschärfte Regeln: Das Fahrzeug muss eine gültige HU haben. Ausnahmen gibt es nur für direkte Fahrten zur nächstgelegenen Prüfstelle oder Werkstatt — und das auch nur im selben oder angrenzenden Zulassungsbezirk.

Diese Unterlagen brauchst du

  • Personalausweis oder Reisepass mit Meldebestätigung
  • eVB-Nummer (elektronische Versicherungsbestätigung)
  • Fahrzeugschein/Zulassungsbescheinigung Teil I oder Vollgutachten
  • Bei Fahrzeugen ohne gültige HU: Nachweis des Termins bei Prüfstelle oder Werkstatt

Die Kosten setzen sich aus mehreren Posten zusammen: Die Zulassungsstelle berechnet etwa 10-15 Euro Verwaltungsgebühr plus 10 Euro für die Kennzeichen. Dazu kommt die Kurzzeitversicherung, die je nach Fahrzeug zwischen 35 und 150 Euro kostet. Insgesamt zahlst du also 55 bis 175 Euro.

Ausfuhrkennzeichen: Der Spezialist für den Export

Sobald die Landesgrenze überschritten wird, reicht das Kurzzeitkennzeichen nicht mehr. Für den Export brauchst du ein Ausfuhrkennzeichen — auch bekannt als Zollkennzeichen oder internationales Kurzzeitkennzeichen.

Der große Vorteil: Du bestimmst die Gültigkeitsdauer selbst. Mindestens 15 Tage, maximal ein Jahr. Das kostet zwar mehr als beim Kurzzeitkennzeichen, gibt dir aber Flexibilität. Wenn du ein Auto nach Spanien überführst und dort noch ein paar Tage bleiben willst, ist das kein Problem.

Das Kennzeichen gilt in allen Ländern, die das internationale Abkommen über Kraftfahrzeugverkehr unterzeichnet haben — das sind praktisch alle europäischen Staaten plus viele weitere weltweit. In manchen Ländern wie Ägypten oder Weißrussland kann es trotzdem Probleme geben. Im Zweifel vorher bei der Botschaft nachfragen.

Besonderheiten bei der Beantragung

Neben den üblichen Unterlagen brauchst du für das Ausfuhrkennzeichen zusätzlich eine Versicherungsbestätigung für den gewählten Zeitraum. Die Versicherung erstellt dafür eine spezielle internationale Versicherungskarte (früher "Grüne Karte"). Außerdem musst du bei der Zulassungsstelle angeben, in welche Länder die Reise geht.

Nach der Ausreise aus Deutschland musst du das Fahrzeug bei einer deutschen Grenzzollstelle abmelden. Das geht auch nachträglich per Post, indem du die Kennzeichen und Papiere an die Zollstelle schickst. Ohne diese Abmeldung kann es später Probleme mit dem Finanzamt geben.

Der direkte Vergleich: Welches Kennzeichen für welchen Zweck?

KriteriumKurzzeitkennzeichenAusfuhrkennzeichen
GültigkeitMaximal 5 Tage15 Tage bis 12 Monate
GeltungsbereichNur DeutschlandInternational
Kosten Zulassungca. 10-15 Euroca. 30-50 Euro
Versicherung35-150 Euro100-500 Euro (zeitabhängig)
HU erforderlichJa (mit Ausnahmen)Nein
Farblicher RandGelbRot

Kosten im Detail: So kalkulierst du richtig

Bei beiden Kennzeichenarten fallen verschiedene Gebühren an. Die Zulassungsstelle berechnet ihre Verwaltungsgebühr nach der jeweiligen Gebührenordnung — das sind beim Kurzzeitkennzeichen meist 10-15 Euro, beim Ausfuhrkennzeichen 30-50 Euro.

Der größte Kostenfaktor ist die Versicherung. Beim Kurzzeitkennzeichen zahlst du einen Pauschalbetrag für fünf Tage. Die Höhe hängt vom Fahrzeugtyp ab:

  • Motorrad: 35-50 Euro
  • PKW: 50-80 Euro
  • Transporter: 80-120 Euro
  • LKW über 3,5t: 100-150 Euro

Beim Ausfuhrkennzeichen staffelt sich der Versicherungsbeitrag nach der Laufzeit. Für 15 Tage zahlst du etwa 100-150 Euro, für drei Monate 200-300 Euro, für ein ganzes Jahr 400-600 Euro. Dazu kommen noch die eigentlichen Kennzeichen (10-30 Euro) und eventuell eine Bearbeitungsgebühr beim Versicherer.

Tipp: Viele Versicherer bieten Online-Rechner für Kurzzeitversicherungen. Dort siehst du sofort, was dich die Überführung kostet. Die eVB-Nummer bekommst du meist innerhalb weniger Minuten per E-Mail.

Praktische Entscheidungshilfe: Wann welches Kennzeichen?

Die Wahl des richtigen Überführungskennzeichens hängt von deiner konkreten Situation ab. Hier eine Entscheidungshilfe für die häufigsten Fälle:

Kurzzeitkennzeichen wählen bei:

Fahrzeugkauf innerhalb Deutschlands, wenn das Auto eine gültige HU hat. Auch für Probefahrten beim Gebrauchtwagenhändler oder die Fahrt zur Hauptuntersuchung ist es die richtige Wahl. Die fünf Tage reichen für die meisten Überführungen problemlos aus.

Ausfuhrkennzeichen wählen bei:

Jeder Fahrt ins Ausland — egal ob EU oder Drittland. Auch wenn du ein deutsches Fahrzeug im Ausland verkaufst und der Käufer es selbst abholt, braucht er dieses Kennzeichen. Ebenfalls sinnvoll: Wenn du dir für die Überführung mehr als fünf Tage Zeit lassen willst, etwa weil du die Fahrt mit einem Urlaub verbindest.

Ein Sonderfall sind Oldtimer ohne gültige HU, die du innerhalb Deutschlands überführen willst. Hier kann das Ausfuhrkennzeichen eine Alternative sein, da es keine HU voraussetzt. Allerdings akzeptieren nicht alle Zulassungsstellen diese Nutzung für reine Inlandsfahrten.

Alternativen zu Überführungskennzeichen

Nicht immer ist ein Überführungskennzeichen die beste oder günstigste Lösung. Je nach Situation gibt es Alternativen:

Der Autotransport per Anhänger oder Transporter umgeht das Problem komplett. Das Fahrzeug wird aufgeladen und als Ladung transportiert — es braucht dann gar keine Zulassung. Bei wertvollen Oldtimern oder Unfallfahrzeugen oft die sicherere Variante. Kosten: 0,50 bis 1,50 Euro pro Kilometer.

Die Händlerkennzeichen (rote Kennzeichen mit den Nummern 06) dürfen nur gewerbliche Händler nutzen. Als Privatperson kommst du da nicht ran. Manche Händler bieten aber an, das gekaufte Fahrzeug mit ihren roten Kennzeichen zu überführen — gegen Gebühr natürlich.

Bei Fahrten ins grenznahe Ausland kann auch eine reguläre Zulassung mit sofortiger Ummeldung günstiger sein als das Ausfuhrkennzeichen. Das rechnet sich vor allem, wenn du das Fahrzeug sowieso im Ausland zulassen willst und die deutsche Zulassung nur wenige Tage brauchst.

Rechtliche Fallstricke vermeiden

Mit Überführungskennzeichen darfst du nur die unbedingt notwendigen Fahrten durchführen. Spazierfahrten, Besorgungen oder "mal eben tanken" sind nicht erlaubt. Die Polizei kennt die Regeln genau und kontrolliert gerade Kurzzeitkennzeichen häufig.

Bei Verstößen droht ein Bußgeld von 50 Euro plus einem Punkt in Flensburg. Richtig teuer wird es, wenn die Versicherung im Schadensfall die Leistung verweigert, weil du das Kennzeichen zweckfremd genutzt hast. Dann haftest du persönlich für alle Schäden.

Besonders aufpassen musst du bei der Gültigkeitsdauer. Das Kurzzeitkennzeichen verfällt unwiderruflich nach fünf Tagen — eine Verlängerung ist nicht möglich. Wenn du es nicht schaffst, musst du ein neues beantragen. Beim Ausfuhrkennzeichen solltest du großzügig kalkulieren. Eine nachträgliche Verlängerung ist zwar theoretisch möglich, praktisch aber sehr aufwendig.

Wichtig: Fotografiere vor der Abfahrt alle Fahrzeugpapiere und Versicherungsunterlagen. Bei einer Kontrolle im Ausland hilft das enorm, wenn Sprachbarrieren die Kommunikation erschweren.

Die richtige Vorbereitung spart Zeit und Ärger

Egal für welches Überführungskennzeichen du dich entscheidest: Gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Kläre vorab mit der Zulassungsstelle, welche Unterlagen du brauchst. Manche Behörden haben eigene Vordrucke oder verlangen zusätzliche Nachweise.

Die Versicherung solltest du schon vor dem Behördentermin abschließen. Die meisten Gesellschaften bieten mittlerweile Online-Abschluss an. Die eVB-Nummer bekommst du dann sofort per Mail oder SMS. Achte darauf, dass die Versicherung auch für dein Zielland gilt — nicht alle Tarife decken alle Länder ab.

Für die Kennzeichen selbst hast du zwei Optionen: Entweder du lässt sie bei der Zulassungsstelle prägen (dauert 10-30 Minuten) oder du bestellst sie vorab online. Letzteres spart Zeit, kostet aber meist 10-20 Euro mehr. Bei Ausfuhrkennzeichen lohnt sich die Onlinebestellung besonders, da du hier oft spezielle Größen für ausländische Kennzeichenhalter brauchst.


Über den Autor

Lisa Neumann

Verbraucherredakteurin

Lisa Neumann ist Verbraucherredakteurin und hilft Fahrzeughaltern, bei Zulassung, Versicherung und Kennzeichen bares Geld zu sparen. Die Wirtschaftsjournalistin vergleicht Kosten, deckt versteckte Gebühren auf und gibt praktische Tipps für den Behördengang – digital und vor Ort.

Verwandte Artikel